Aufgegebene Bodenstation
1998 wurden 23 Tonnen Technik aus der ehemaligen ESA-Bodenstation im Odenwald nach Spanien verschifft. Zurück blieben das Betriebsgebäude und eine leere Parabolantenne.
1975 baut die ESA in einer Senke im Odenwald, zwischen den Dörfern Rehbach und Zell, eine Bodenstation. Sie empfängt Signale der Meteosat-Wettersatelliten – für Missionskontrolle und Wetterdaten. Zwei Parabolantennen, 15 und 13,5 Meter im Durchmesser, stehen fortan in der Wiesenlandschaft.

Offiziell heißt die Anlage ESOC-Bodenstation Michelstadt, benannt nach dem europäischen Raumflugkontrollzentrum in Darmstadt, zu dem sie gehörte. Ab 1991 bauen EUMETSAT und ESA ihre Bodenstationen an anderen, strategisch günstigeren Standorten aus. Durch den technischen Fortschritt genügen weniger, dafür leistungsfähigere Stationen – der Übergang von einer dezentralen zu einer zentralisierten Infrastruktur in der Raumfahrt. 1998 werden 23 Tonnen Equipment abgebaut und nach Spanien verschifft. Anfang der 2000er wird der Betrieb in Michelstadt eingestellt.


Der verbliebene Gebäudekomplex und die Reste der Parabolantenne.
Geblieben sind das Betriebsgebäude und das Gerippe der großen Parabolantenne. Seit über zwei Jahrzehnten ungenutzt, verfallen sie zusehends. Offensichtlich war dabei auch Vandalismus am Werk.


Das Grundstück, ein 50 Hektar großes Biotop, gehört seit 2014 einem privaten Eigentümer. Seit 2023 steht die Anlage unter Denkmalschutz. Es gibt Pläne, aus dem Gebäude ein Naturschutzzentrum zu machen – ob und wann das geschieht, ist offen.